Customizing-Tabelle im Produktivsystem pflegen – SAP ERP

Möchtest Du eine Customizing-Tabelle im Produktivsystem pflegen, ohne einen Transport zu importieren? Möchtest Du dabei nicht die Einstellungen im Entwicklungssystem durchführen und nicht über das Test- in das Produktivsystem importieren? Wenn dem so ist, bietet Dir dieser Artikel die Antworten mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Deine Anforderung.

Im Artikel “Pflege-View in SAP ERP einfach und schnell erstellen – SM30 oder SE16N” wird im Detail erläutert, wie man in SAP ERP bzw. SAP S/4HANA eine Pflege-View für eine SAP-Tabelle erstellt. Dadurch kann man mit der Transaktion SM30 Einträge in der Tabelle erstellen, ändern oder löschen. Doch wie im Artikel beschrieben, muss man die Änderungen im Entwicklungssystem durchführen und in das Produktivsystem über Transporte importieren.

In diesem Artikel wird erläutert, wie man eine Pflege-View so erstellt und welche Customizing-Einstellungen notwendig sind, dass man direkt im Produktivsystem ohne Transporte Änderungen in der Pflege-View durchführen kann. Auch wenn in den Mandanteneinstellungen (Transaktion SCC4) keine Änderungen im Mandant erlaubt sind, kann man mit den Anleitungen in diesem Artikel eine Pflege im Produktivsystem einstellen.

Insgesamt sind hierbei folgende Schritte notwendig:

  1. Datenbanktabelle erstellen – SE11
  2. Pflege-View erstellen – SE11
  3. Transaktion erstellen – SE93
  4. Rollenpflege – PFCG und SU01
  5. Pflege im Produktivsystem erlauben – SOBJ

Die einzelnen Schritte werden in den folgenden Abschnitten näher erläutert.

Datenbanktabelle erstellen – SE11

Dieser Schritt ist nur dann notwendig, wenn es noch keine gewünschte Tabelle gibt und diese noch erstellt werden muss. Im ABP Dictionary (Transaktion SE11) kann man die Tabelle erstellen.

Bei der Erstellung ist es wichtig, dass man die Auslieferungklasse “C” (Customizingtabelle, Pflege nur durch Kunden, kein SAP Import) und die Tabellenansicht-Pflege “X” (Anzeige/Pflege erlaubt) auswählt.

Datenbanktabelle erstellen - SE11

Nachdem man die Auslieferung und Pflege eingestellt hat, muss man noch die Felder angeben. Hierbei ist es empfehlenswert, den Mandanten (MANDT) als Teil des Primärschlüssels anzugeben. Gerade im Produktivsystem sollte man stets mandantenabhängige Tabellen einsetzen, da die Wartung und Pflege einfacher ist.

Zudem hinaus sollte man in den technischen Einstellungen die Einstellung “Datenänderungen protokollieren” aktivieren. Wenn diese Einstellung aktiv ist, werden alle Änderungen in der Datenbanktabelle DBTABLOG dokumentiert und können über den Data Browser (SE16N), der Transaktion SCU3 oder dem Report RSVTPROT eingesehen werden. Ausführliche Details dazu sind im Artikel “Protokollierung in SAP ERP von geänderten Tabelleneinträgen” beschrieben.

Unter “Zusätze > Erweiterungskategorie…” gibst Du die Erweiterungskategorie der Tabelle an. Dadurch ist eine Erweiterung überhaupt möglich. Hier empfiehlt es sich, “erweiterbar und zeichenartig und numerisch” auszuwählen.

Nachdem man die Tabelle gespeichert und aktiviert hat, steht diese im SAP-System zur Verfügung.

Pflege-View erstellen – SE11

Nachdem die Tabelle erstellt wurde, kann man die Pflege-View einrichten. Hierzu benutzt man erneut das ABAP Dictionary (Transaktion SE11).

Zuerst gibt man die gewünschte Tabelle im Feld “Datenbanktabelle” an und drückt auf den Ändern-Button. Anschließend nutzt man die Menüfunktion “Hilfsmittel > Tabellenpflegegenerator”, um die Generierungsumgebung aufzurufen.

Anschließend gibt man die Berechtigungsgruppe “&NC&”, die gewünschte Funktionsgruppe und die Pflegebilder an. Bei der Erstellung wird direkt die Funktionsgruppe angelegt, wenn diese noch nicht existiert. Durch den Anlegen-Button wird die Pflege-View erstellt.

Pflege-View, um Tabelle im Produktivsystem zu pflegen

Stelle dabei sicher, dass die Aufzeichnungsroutine “keine oder individuelle Aufzeichnungsroutine” ausgewählt ist. Nachdem die Pflege-View angelegt wurde, kann man in der Transaktion SM30 die Tabelle pflegen.

Transaktion erstellen – SE93

Dieser Schritt ist obsolet, aber wärmstens zu empfehlen. Die meisten SAP-Anwender*innen haben im Produktivsystem für die Transaktion SM30 keine Berechtigungen. Und das ist auch gut so. Aber trotzdem wird die Pflege einer Tabelle oft von Fachanwender*innen ausgeführt und nicht von den Administratoren.

Aus diesem Grund kann man für die Pflege-View eine eigene Parametertransaktion erstellen, um die Pflege-View über einen eigenen Transaktionscode aufzurufen. Die Berechtigungen für diese Transaktion kann man im Produktivsystem den gewünschten SAP-Anwender*innen zuordnen.

Nachdem man die Transaktion SE93 aufgerufen hat, gibt man den gewünschten Transaktionscode ein, der im Kommandofeld eingegeben werden muss, um die Pflege-View aufzurufen.

Parametertransaktion erstellen - SE93

Daraufhin gibt man die notwendigen Einstellungen für die Parametertransaktion an. Diese sind folgende:

  • Transaktion: SM30
  • Einstiegsbild überspringen
  • GUI-Eigenschaften erben
  • Dynprofeld “SHOW”, Wert “X”
  • Dynprofeld “VIEWNAME”, Wert <Tabellenname>
Eigenschaften der Parametertransaktion in SE93
Vorschlagswerte in Parametertransaktion - SE93

Durch den Vorschlagswert “SHOW” wird die Pflege-View im Anzeigemodus aufgerufen. Wenn man direkt die Transaktion SM30 im Änderungsmodus aufrufen möchte, gibt man den Vorschlagswert “UPDATE” mit dem Wert “X” an.

Nachdem man die Parametertransaktion gespeichert hat, kann man diese sofort im Kommandofeld testen. Alternativ kann man direkt in der Transaktion SE93 die F8-Taste oder den Testen-Button dafür verwenden.

Rollenpflege – PFCG und SU01

Wenn die SAP-Anwender*innen im Produktivsystem die Transaktion SM30 benutzen können, ist dieser Schritt ebenfalls obsolet. Wenn nicht, müssen die Berechtigungen erweitert werden. Hierzu kann man in der Transaktion PFCG eine Rolle für die erstellte Transaktion erstellen und in der Transaktion SU01 den SAP-Benutzern zuordnen.

Diese Änderungen müssen im Entwicklungssystem durchgeführt werden und über das Test- in das Produktivsystem importiert werden.

Pflege im Produktivsystem erlauben – SOBJ

Nun kommt der wichtigste Schritt, damit man in Zukunft die Tabelle im Produktivsystem ohne Transporte pflegen kann. In der Transaktion SOBJ kann man die Pflegeattribute der Tabelle einstellen. Nachdem man die Transaktion SOBJ aufgerufen hat, klickt man den Pflegen-Button.

Transaktion SOBJ für Pflegeattribute

Daraufhin kann man seine gewünschte Tabelle suchen, indem man den Namen über den Button “Positionieren…” eingibt. Anschließend klickt man doppelt auf den gewünschten Eintrag.

Transaktion SOBJ - Tabelle auswählen

Daraufhin werden die einzelnen Objekteigenschaften der Tabelle angezeigt. Hier muss man nun vor allem darauf achten, dass “kein Transport” und “Laufende Einstellungen” ausgewählt sind. Anschließend speichert man seine Änderungen.

SOBJ - Objekteigenschaften

Diese Änderungen müssen in das Test- und Produktivsystem transportiert werden. Wenn alle Schritte ausgeführt sind, kann man direkt im Produktivsystem die Tabelle pflegen.

Falls man die Pflege-View verändert und neu generiert, müssen die Einstellungen in der Transaktion SOBJ erneut durchgeführt werden.

Über den Autor

Andreas Geiger

Schön, dass Du Dich für SAP ERP bzw. SAP S/4HANA interessierst.

Mein Name ist Andreas Geiger und ich bin der Gründer von ERP-UP.de. Mein Ziel ist es, so viel nützliches Wissen wie möglich über das SAP ERP-System zu vermitteln. Ich möchte Dir damit einen Mehrwert bieten. Es freut mich, wenn ich Dir damit helfen kann.

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